Knoblauch und Leberwurst

Unter Max’ und Kostas’ Schulbank tobte ein heftiger Streit. Die ganze Geschichte hatte eigentlich schon am frhen Morgen angefangen, als Max und Kostas, sein griechischer Freund, ihre Pausenbrote in das Fach unter der Bank gelegt hatten.
Das eine Brot war mit einer feinen Leberwurst bestrichen und das andere mit einem leckeren Knoblauchkse belegt. Schon nach einigen Minuten rmpfte das Leberwurstbrot von Max die Nase.

“Iiih! Was riecht denn hier schon wieder so scheulich? Bist du das vielleicht?”
“Meinst du mich?”, fragte ngstlich das Ksebrot von Kostas.
“Ja! Dich! Wer knnte sonst so unmglich riechen! Rck ein Stck weiter!”
“Was fllt dir ein! Du spinnst wohl! Das ist mein Platz, und ich bleibe da, wo ich bin!”, antwortete das Ksebrot.
“Hier ist nur fr denjenigen Platz, der normal riecht! Neben dir halt’ ich’s nicht lnger aus!”
“Du gemeines Stck!”
“Stinkbrot! Stinkbrot!”, rief die Leberwurst.
“Du bist ja unverschmt!”, schimpfte der Knoblauchkse zurck.
“Du Kanakenbrot, du, hr sofort auf, mich zu beschimpfen!”, drohte das Leberwurstbrot.
Pltzlich klingelte es laut zur groen Pause.
Max und Kostas nahmen schnell ihre Brote und liefen auf den Schulhof. Gierig bissen sie hinein und spielten mit ihren Mitschlern. Max merkte berhaupt nicht, dass er das Knoblauchksebrot von Kostas a. Genauso wenig fiel es Kostas auf, dass er aus Versehen das Leberwurstbrot von Max erwischt hatte. Nur schmeckte es den beiden an diesem Tag besonders gut.
Als sie mittags nach Hause kamen, sagten sie zu ihrer Mutter: “Mama! Ich will fter so ein Brot, wie du mir heute frh gemacht hast! Das hat ganz toll geschmeckt!”

Autorin: Eleni Torossi

Als PDF 50 KB.

Paparna

“Ein Maikfer! Ein Maikfer!”, ruft Jannakis voll Freude. Sabine, die jeden Tag mit ihm von der Schule nach Hause geht, sieht den Maikfer auch. “Ich werde den Maikfer mit nach Hause nehmen!”, sagt Jannakis und holt eine leere Streichholzschachtel aus seiner Tasche. “Nein!”, widerspricht Sabine heftig. “La ihn frei! Warum willst du ihn fangen? Auerdem ist er nicht dein Maikfer! Ich habe ihn mit dir zur gleichen Zeit entdeckt!” Sie ist richtig sauer, ihre Backen sind ganz rot vor Aufregung.
Jannakis schaut sie an und mu lachen. “Ha, ha! Du siehst aus wie eine Paparna, ganz rot wie eine Paparna! Also gut, ich fange den Maikfer nicht. Schau, ich la ihn frei. Bist du jetzt zufrieden?”
Sabine wird aber nur noch wtender. “Wenn ich eine Papa...dings bin, dann bist du ..., bist du ..., du bist einfach bld!”, schreit sie und rennt weg.
Jannakis versteht das berhaupt nicht. Ob sie wtend ist wegen des Wortes Paparna? Das hatte er doch gar nicht bse gemeint.
Inzwischen ist Sabine nach Hause gerannt und weint. ”Er hat mich Paparna genannt!”, denkt sie und schluchzt. “Bestimmt ist es ein bses griechisches Wort, womglich ein hliches rotes Tier oder so! Ich werde nie mehr mit ihm spielen”, schwrt sie sich.
Am nchsten Tag in der Schule spricht sie kein Wort mit ihm, und nach der Schule geht sie nicht wie blich den Weg mit ihm nach Hause.
Sie ist einfach verschwunden. Am selben Nachmittag bemerkt Jannakis, wie Sabine mit anderen Mdchen an seinem Kchenfenster vorbeigeht. “Sie wollen bestimmt zum Spielplatz”, denkt er. Etwas spter taucht er auch dort auf. Schon von weitem sieht er Sabine mit ihren Freundinnen spielen. Er geht mutig auf sie zu und hlt ihr eine Mohnblume entgegen:
“Schau, Sabine!”, sagt er. “Ich will dir diese Paparna schenken, die ich gerade gepflckt habe. Nimm sie bitte!”
Sabine schaut berrascht auf die Mohnblume.
“So hast du gestern mit deinen roten Backen ausgesehen, genau so strahlend wie eine Paparna, eine Mohnblume!”, sagt er.

Autorin: Eleni Torossi

Als PDF 50 KB.

Pankow, Punk, Pankgrafenstrae

Dezember 1993, eine ganze Weile nach Mitternacht. Wir hatten an einer Tankstelle in Pankow, Ostberlin, angehalten, einen Fnfziger in der Tasche. “Den geb ich jetzt voll frs Benzin aus”, sagte Stefan, “wir brauchen heute abend kein Geld mehr”. Er stieg aus dem Wagen, und sein Atem wurde in der eisigen Luft zu einer Dunstwolke. Die Gehwege waren von einer dnnen Schneeschicht bedeckt, die kleinen, viereckigen Steine des Straenpflasters glnzten. Sie gefallen mir, diese Steine, kompakt, hart und zugleich niedlich, gehren irgendwie hierher, zu deutschen Straen, doch sie werden berall herausgerissen und in Ostberlin erst recht, da gibt es noch eine Menge herauszureien. Es war einsam um diese spte Stunde in diesem Teil der Stadt, keine Menschenseele weit und breit, alle sind zu Hause, “daheim”, dieses Wort gehrt auch hierher, zu deutschen Husern, zu den rauchenden Schloten auf den Dchern. Wir waren zum ersten Mal nach dem Mauerfall in diesem Teil Berlins, Pankow - das einstige Wohnviertel der Parteifunktionre. Wir wohnten in der Pankgrafenstrae bei Freunden, die aktiv in den Kommitees fr den Umsturz des alten Systems gewesen sind. Ich fand den Namen Pankgrafenstrae in Pankow witzig, und sie erzhlten, es gab eine Punkgruppe mit dem Namen Pankow, die sich vor Jahren mit ihrer Musik in diesem Viertel einen Namen gemacht hatte.
Pankow, Punk, Pankgrafenstrae, wiederholte ich rhythmisch vor mich hin.
Pankow, Punk, Pankgrafenstrae.
Die Pankgrafenstrae ist eine kleine Strae mit alten Herrschaftshusern. Die Hausmauern, ber die Jahre hin ruig und geschwrzt, ersticken unter Efeu, der jetzt smtliche Bltter verloren hatte. Die kahlen Zweige breiten sich wie ein feines Netz aus Holz ber die gesamten Fassaden.
Pankow, Punk, Pankgrafenstrae. Unsere Freunde haben uns sogar eine Platte der “Pankow” aufgelegt. Der Sound war etwas weicher als beim englischen Punk, die Texte politischer. Mich hatten sie nicht gerade vom Hocker gerissen, aber Stefan mochte sie, er gefllt sich in der Rolle des Punks, er hat sich eine Haarstrhne orange gefrbt, das Haar ber den Ohren rasiert, und im Ohr trgt er eine schwarze Spinne.
Pankow, Punk, Pankgrafenstrae.

Autorin: Eleni Torossi

Als PDF 60 KB.

Seitenanfang

Impressum